{"id":1454,"date":"2017-05-03T14:28:18","date_gmt":"2017-05-03T14:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/raussmueller-insights.org\/?p=1454"},"modified":"2023-01-10T16:49:34","modified_gmt":"2023-01-10T16:49:34","slug":"joseph-beuys-das-kapital-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/joseph-beuys-das-kapital-raum\/","title":{"rendered":"Joseph Beuys: Das Kapital Raum 1970 &#8211; 1977. Zur Entstehung und zum Ende des Werks in den Hallen f\u00fcr Neue Kunst, Schaffhausen"},"content":{"rendered":"<h1>Joseph Beuys: Das Kapital Raum 1970 &#8211; 1977. Zur Entstehung und zum Ende des Werks in den Hallen f\u00fcr Neue Kunst, Schaffhausen<\/h1>\n<h5>von Christel Sauer<\/h5>\n<hr \/>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1464\" src=\"http:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-300x200.jpg 300w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-768x512.jpg 768w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/V__MG_1466-RAW-b-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><br \/>\nDie Geschichte der Raumskulptur \u201eDas Kapital Raum 1970-1977\u201c beginnt zu einem Zeitpunkt, als Joseph Beuys selbst noch nicht wusste, welche Form dieses Werk letztlich haben w\u00fcrde und Urs Raussm\u00fcller nicht ahnte, welche Konsequenzen sich daraus ergeben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der deutsche K\u00fcnstler Joseph Beuys war eingeladen worden, an der Biennale in Venedig 1980 den zentralen Raum des Internationalen Pavillons zu gestalten. Die Biennale trug den Titel \u201eL\u2019arte degli anni \u201970\u201c und sollte einen \u00dcberblick \u00fcber die Kunst der 70er Jahre geben. Beuys war in dieser Zeit mit seinem \u201eerweiterten Kunstbegriff\u201c zum einflussreichsten europ\u00e4ischen K\u00fcnstler geworden. Die Einladung zur Biennale war f\u00fcr ihn ein Anlass, charakteristische Gegenst\u00e4nde seines Wirkens und seiner Lehre zusammenzufassen \u2013 und zwar so, dass er damit anschliessend ein Monument f\u00fcr die Zukunft errichten konnte: Seine Kunst sollte in einen \u201eDenkraum\u201c einm\u00fcnden, der ihn selbst im Sinne eines Verm\u00e4chtnisses \u00fcberleben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Realisierung seiner Idee brauchte Beuys Objekte, wie er sie in seinen Aktionen der 70er Jahre verwendet hatte, technische Ger\u00e4te, einen Konzertfl\u00fcgel und beschriebene und bezeichnete Tafeln, die zwischen 1970 und 1977 entstanden waren, sich inzwischen aber in unterschiedlichem Besitz befanden. Er ben\u00f6tigte also Geld f\u00fcr Anschaffungen. Aber ebenso ben\u00f6tigte er einen Ort, an dem er das geplante Denkmal nach der Ausstellung in Venedig seinen Vorstellungen entsprechend errichten und der \u00d6ffentlichkeit dauerhaft zug\u00e4nglich machen konnte. Er brauchte hierf\u00fcr eine Person, die ihm sowohl den geeigneten Raum beschaffen als auch den \u00f6ffentlichen Zugang zum Werk nach seinem Ableben garantieren konnte.<\/p>\n<p>In dieser Situation stellte der D\u00fcsseldorfer Galerist Konrad Fischer die Verbindung zwischen Joseph Beuys und dem Z\u00fcrcher K\u00fcnstler Urs Raussm\u00fcller her. Beide hatten damals Ausstellungen bei Fischer. Auch kannte Beuys seit Jahren Christel Raussm\u00fcller Sauer. Er wusste, dass Urs Raussm\u00fcller in den 1970er Jahren ein wegweisendes K\u00fcnstlerf\u00f6rderungskonzept f\u00fcr den Migros Genossenschafts-Bund entwickelt und die inzwischen legend\u00e4re Z\u00fcrcher Kunsthalle \u201eInK\u201c, Halle f\u00fcr internationale neue Kunst, geschaffen hatte. Raussm\u00fcller war als dynamischer F\u00f6rderer und Sammler von Kunst bekannt und hatte unter K\u00fcnstlern einen guten Ruf, weil er sich mit grossem Engagement f\u00fcr die bei weitem noch nicht anerkannte Neue Kunst einsetzte. Beuys und Fischer gelangten also im Vorfeld der Biennale an Urs Raussm\u00fcller mit der Frage, ob er Interesse habe, an dem Verm\u00e4chtnis-Projekt von Joseph Beuys mitzuwirken.<\/p>\n<p>Urs Raussm\u00fcller war sofort einverstanden. Er kannte das Problem des \u00f6ffentlichen Raums aus seiner eigenen Arbeit und hatte in der Kunsthalle InK erfolgreich \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr Neue Kunst hergestellt. Beuys, der eine grosse Bewunderung f\u00fcr den Migros-Gr\u00fcnder Gottlieb Duttweiler hatte, zeigte sich von Raussm\u00fcllers Leistungen angetan. Man wurde einig, das von Beuys angestrebte Verm\u00e4chtnis in Z\u00fcrich zu verwirklichen.<\/p>\n<p>In Venedig realisierte Joseph Beuys dann die erste Visualisierung seiner Idee. Auf W\u00e4nden und Boden platzierte er Objekte aus seinen Aktionen und Diskussionen der Siebziger Jahre, darunter die f\u00fcnfzig von ihm selbst und von Teilnehmern seiner Veranstaltungen beschriebenen Schultafeln. In der ihm eigenen Terminologie, wonach die Kreativit\u00e4t jedes Einzelnen, wie er sie in seiner Kunst zum Thema machte, das Kapital f\u00fcr die angestrebte Umgestaltung der Gesellschaft ist, nannte er seine Arbeit \u201eDas Kapital Raum 1970-1977\u201c. Die Fachwelt zeigte sich begeistert. Beuys selbst hielt jedoch, wie er Raussm\u00fcller mitteilte, die diagonale Durchgangssituation des Biennale-Raums f\u00fcr sein geplantes Monument eher f\u00fcr ung\u00fcnstig und w\u00fcnschte sich f\u00fcr die definitive Realisierung eine gefasstere Situation. Raussm\u00fcller meinte, in Verbindung mit der Kunsthalle InK einen geeigneten Raum errichten zu k\u00f6nnen. Beuys schickte die zum Werk geh\u00f6renden Gegenst\u00e4nde nach der Biennale wie abgemacht zu ihm nach Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Urs Raussm\u00fcller machte sich sofort daran, im Areal des InK einen den Bed\u00fcrfnissen der vielteiligen Auslage entsprechenden Raum zu planen. Wie sich aber unerwartet herausstellte, wollte die Stadt Z\u00fcrich als Eigent\u00fcmerin der Liegenschaft die Kunsthalle schon wenige Monate sp\u00e4ter zum Bestandteil einer Berufsschule umbauen. Trotz aller Bem\u00fchungen von Raussm\u00fcller und Migros konnten InK nicht gehalten und die Pl\u00e4ne von Raussm\u00fcller und Beuys in diesem Kontext nicht umgesetzt werden. Raussm\u00fcller gelang es noch, 1981 die aus Venedig erhaltenen Gegenst\u00e4nde in rudiment\u00e4rer Einrichtung in einer Ausstellung zu zeigen, bevor InK, die Halle f\u00fcr internationale neue Kunst, definitiv ger\u00e4umt werden musste.<\/p>\n<p>Zwangsl\u00e4ufig machte sich Raussm\u00fcller auf die Suche nach einem Ort, an dem er die begonnene Kulturarbeit fortsetzen und den f\u00fcr das Verm\u00e4chtnisprojekt mit Joseph Beuys erforderlichen Raum schaffen konnte. Die f\u00fcr die H\u00e4ngung von 35 Wandtafeln ben\u00f6tigte H\u00f6he von acht Metern machte die Suche \u00e4usserst schwierig und f\u00fchrte Urs und Christel Raussm\u00fcller weit \u00fcber Z\u00fcrcher Gebiet hinaus. Im Fr\u00fchjahr 1982 stiessen sie dann auf die nicht mehr genutzte Sch\u00f6ller-Textilfabrik in Schaffhausen. Sie fanden auf Seiten der Stadt aufgeschlossene Gespr\u00e4chspartner, die Interesse zeigten, Raussm\u00fcller einen Geb\u00e4udetrakt zur Ausstellung von Werken Neuer Kunst und zur Realisierung des Beuys-Vorhabens zur Verf\u00fcgung zu stellen. In relativ kurzer Zeit gelang es, mit der Stadt Schaffhausen eine Einigung zu finden. Es kam zu einer Volksabstimmung \u00fcber den st\u00e4dtischen Erwerb der Liegenschaft und als diese im Juni 1982 positiv ausging, konnte Raussm\u00fcller mit dem Aufbau der Hallen f\u00fcr Neue Kunst beginnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1462\" src=\"http:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-300x200.jpg 300w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-768x511.jpg 768w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/II_Hallen-Abbruch-OG2-18-2048x1363.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Parallel zu Raussm\u00fcllers Suche nach R\u00e4umlichkeiten versuchte Konrad Fischer mit Raussm\u00fcllers Hilfe, die f\u00fcr die Biennale ausgeliehenen Gegenst\u00e4nde von deren Eigent\u00fcmern zu erwerben. Einige der aus Venedig angekommenen Gegenst\u00e4nde mussten zudem repariert und ersetzt werden, was Raussm\u00fcller in Absprache mit Beuys veranlasste. Daneben verfolgte er seine Idee, den Raum f\u00fcr Beuys mit wegweisenden Werken anderer bedeutender K\u00fcnstler zu \u201eHallen f\u00fcr Neue Kunst\u201c zu verbinden. Robert Ryman, Carl Andre, Sol LeWitt, Mario Merz, Bruce Nauman und weitere Protagonisten der Neuen Kunst zeigten sich von seinem Projekt begeistert. Zusammen mit eigenen Werkbest\u00e4nden, mit Leihgaben der beteiligten K\u00fcnstler und mit Werken, die er f\u00fcr Dritte erworben hatte, gelang es Raussm\u00fcller, f\u00fcr das Beuys-Projekt ein kongeniales k\u00fcnstlerisches Umfeld zu schaffen.<\/p>\n<p>Joseph Beuys wurde \u00fcber die T\u00e4tigkeiten regelm\u00e4ssig orientiert. Urs und Christel Raussm\u00fcller waren aber damit konfrontiert, dass er zunehmend ungeduldiger wurde, je l\u00e4nger sich die Errichtung seines Raums hinzog. Bei verschiedenen Treffen in Z\u00fcrich und D\u00fcsseldorf wies Beuys sie darauf hin, dass er wegen seines schlechten Gesundheitszustands nicht mehr lange warten k\u00f6nne und sein Monument dringend verwirklichen wolle. Zur \u00dcberbr\u00fcckung und entgegen der Intention, \u201eDas Kapital &#8230;\u201c nicht mehr tempor\u00e4r zu zeigen, willigten Beuys und Raussm\u00fcller 1983 zu einer reduzierten Aufstellung (ohne H\u00e4ngung des Tafelblocks) w\u00e4hrend der Ausstellung \u201eDer Hang zum Gesamtkunstwerk\u201c im Kunsthaus Z\u00fcrich ein.<\/p>\n<p>Es war unter diesen Umst\u00e4nden f\u00fcr alle befreiend, dass der von Urs Raussm\u00fcller nach der Volksabstimmung in Angriff genommene Umbau der Schaffhauser Textilfabrik rasch Fortschritte machte. Um die f\u00fcr die H\u00e4ngung der Tafeln n\u00f6tige Raumh\u00f6he von acht Metern zu erreichen, hatte Raussm\u00fcller mit einem mutigen architektonischen Eingriff den mittleren westlichen Teil des Bodens zwischen dem zweiten und dritten Geschoss herausschneiden lassen. Parallel zu den grossen Fenstern platzierte er eine hohe Wand in solcher Entfernung, dass das Werk \u2013 abgesehen vom f\u00fcr die Betrachter vorgesehenen Bereich \u2013 den ganzen Raum ausf\u00fcllen konnte. Mit der \u00d6ffnung der n\u00f6rdlichen Seitenwand und der Schaffung einer Empore im dritten Geschoss machte er es ausserdem m\u00f6glich, dass das Werk sowohl von der Seite als auch von oben betrachtet und so auch die hoch h\u00e4ngenden Wandtafeln gelesen werden konnten. Vier Jahre nach Beginn des gemeinsamen Projektes stand damit endlich ein dem Verm\u00e4chtnis von Beuys angemessener Raum zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1468\" src=\"http:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-1024x722.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"722\" srcset=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-1024x722.jpg 1024w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-768x542.jpg 768w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-1536x1083.jpg 1536w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-Beuys-Raum-1-2048x1444.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Nach ausf\u00fchrlichen Vorgespr\u00e4chen mit Urs und Christel Raussm\u00fcller kam Joseph Beuys im April 1984 zusammen mit Heiner Bastian zur definitiven Errichtung seines Monuments nach Schaffhausen. Die f\u00fcr das Werk erforderlichen Gegenst\u00e4nde hatte Raussm\u00fcller in die \u201eHallen\u201c bringen lassen, weitere Teile brachte Joseph Beuys selbst mit. Beuys hatte Schmerzen, konnte nur mit M\u00fche gehen und die Objekte deshalb auch nur teilweise selbst platzieren. Der von Urs Raussm\u00fcller geschaffene Raum befl\u00fcgelte ihn jedoch, und er wies Heiner Bastian und Raussm\u00fcllers Techniker mit Elan an, wie sie die einzelnen Gegenst\u00e4nde zu befestigen, hinzustellen oder aufzuh\u00e4ngen hatten. Bastian zog wiederholt Fotografien der Biennale bei, doch Beuys ging unmittelbar auf den Schaffhauser Raum ein. Im Unterschied zur diagonalen Einrichtung in Venedig wurden die Wandtafeln zu einer zusammenh\u00e4ngenden frontalen Ansicht komprimiert. Auch die technischen Ger\u00e4te und die Bodentafeln wurden dichter im Raum verteilt. Beuys sch\u00e4tzte die Transformation der alten Fabrik, und man sp\u00fcrte, wie wichtig es ihm war, den \u201eDenkraum\u201c in diesem Kontext zu errichten. Wiederholt brachte er seine Befriedigung zum Ausdruck, dass es Raussm\u00fcller und ihm trotz aller Schwierigkeiten gelungen war, der \u00d6ffentlichkeit dieses Verm\u00e4chtnis seiner Kunst zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p>Am 5. Mai 1984 wurden die Hallen f\u00fcr Neue Kunst in Anwesenheit vieler K\u00fcnstler er\u00f6ffnet. Joseph Beuys konnte aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden nicht teilnehmen. Er liess sich aber ausf\u00fchrlich berichten und zeigte sich erleichtert, dass das Projekt so erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Urs und Christel Raussm\u00fcller wurden von ihm an ihre Aufgabe erinnert, f\u00fcr das Werk nun Sorge zu tragen, es der \u00d6ffentlichkeit dauerhaft zur Verf\u00fcgung zu stellen und es nicht in die H\u00e4nde von H\u00e4ndlern oder Spekulanten geraten zu lassen. Dieses Versprechen haben sie, solange sie konnten, mit grossem pers\u00f6nlichem Einsatz gehalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1469\" src=\"http:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-1024x724.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"724\" srcset=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-768x543.jpg 768w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/Hallen-fuer-Neue-Kunst-Einrichtung-3_OG-2-2048x1448.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Am 23. Januar 1986 starb Joseph Beuys. In einem Nachruf der Neue Z\u00fcrcher Zeitung vom 7.1.1986 ist zu lesen: \u201eDas heute in Schaffhausen geh\u00fctete \u201aKapital\u2019 \u2013 Beuys\u2019 eigentliches Verm\u00e4chtnis \u2013 ist gleichsam das Monument seines erweiterten Kunstbegriffes, der das \u201aplastische Grundprinzip Kreativit\u00e4t\u2019 zum \u201aKapital einer zu ver\u00e4ndernden Gesellschaft\u2019 erkl\u00e4rt.\u201c<\/p>\n<p>Im Herbst 1986 veranstalteten Urs und Christel Raussm\u00fcller zu Beuys Ged\u00e4chtnis eine Vortragsreihe, die sie 1988 unter dem Titel \u201eJoseph Beuys und Das Kapital\u201c als Publikation herausgaben. Im Text von Mario Kramer heisst es zu dem Werk in den Hallen f\u00fcr Neue Kunst unter anderem: \u201eDas Denkmal wird zum Denkraum. Beuys bezeichnet das Werk als Monument f\u00fcr die Zukunft, f\u00fcr die Arbeit an der Zukunft.\u201c Der Beuys-Sch\u00fcler und langj\u00e4hrige \u2013Begleiter Johannes St\u00fcttgen schloss seinen Vortrag so: \u201eUnd das Wichtigste, was man zum Schluss noch sagen kann, ist [&#8230;], dass sich eine Stadt wie Schaffhausen nun auch wirklich mit darum k\u00fcmmern muss, dass dieser Raum unter allen Umst\u00e4nden so, wie er von Joseph Beuys selbst hier aufgebaut worden ist, auch stehen bleibt. Weil n\u00e4mlich nur in dieser Authentizit\u00e4t die Kr\u00e4fte auch so wirken [&#8230;].\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1463\" src=\"http:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-300x200.jpg 300w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-768x512.jpg 768w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/raussmueller-insights.org\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/IV__MG_4280-be-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>Im Januar 2014 entschied das Obergericht Schaffhausen in zweiter Instanz, dass \u201eDas Kapital Raum 1970\u20131977\u201c das Eigentum von drei Gesch\u00e4ftsleuten w\u00e4re, die in einem jahrelangen Prozess gegen die Stiftung f\u00fcr neue Kunst auf Herausgabe des Werks geklagt hatten. Die Kl\u00e4ger hatten in den 1970er Jahren eine Aktiengesellschaft gegr\u00fcndet, f\u00fcr die Urs Raussm\u00fcller \u2013 wie auch f\u00fcr sich selbst, den Migros Genossenschafts-Bund und andere \u2013 Kunstwerke erworben hatte. F\u00fcr \u201eDas Kapital Raum 1970\u20131977\u201c konnten sie keinen Kaufbeleg vorlegen, da es keinen gab und Raussm\u00fcller nie vorhatte, das Werk in die AG einzubringen. Die zeit ihrer Existenz mittellose Stiftung f\u00fcr neue Kunst sah sich als falsche Adressatin der Klage. Sie war wenige Monate vor der Er\u00f6ffnung der Hallen f\u00fcr Neue Kunst als deren juristische Tr\u00e4gerin begr\u00fcndet worden und hatte nie einen Anspruch auf die Inhalte der Institution erhoben. Nach dem Urteil war sie nicht in der Lage, den Prozess weiterzuf\u00fchren und musste Konkurs anmelden.<\/p>\n<p>Urs Raussm\u00fcller, dessen honorarlose Leistungen w\u00e4hrend mehr als 30 Jahren aus \u00dcberzeugung und Verantwortung erfolgten, schloss die Hallen f\u00fcr Neue Kunst. Er gab die Leihgaben an ihre Eigent\u00fcmer zur\u00fcck und \u00fcberf\u00fchrte seine eigenen Kunstwerke zu sich nach Basel. Die einer neuen Zust\u00e4ndigkeit zugesprochene Beuys-Einrichtung \u201eDas Kapital Raum 1970\u20131977\u201c blieb unangetastet am Ort ihrer Erstellung in den Schaffhauser Hallen. Theoretisch h\u00e4tte sie dort in der Installation durch den K\u00fcnstler weiterhin bestehen k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich wurden die Objekte 2015 von den drei vormaligen Kl\u00e4gern f\u00fcr einen \u201eh\u00f6heren zweistelligen Millionenbetrag\u201c an den Berliner Bauunternehmer und Sammler Erich Marx verkauft und in Schaffhausen abgebaut. Damit wurde einer der letzten grossen Beuys-Komplexe aus seinem authentischen Zusammenhang mit dem Werkteil Raum herausgetrennt. In Schaffhausen war dieser Raum ohne K\u00fcnstlichkeit in der langen Tradition eines Arbeitsorts verwurzelt gewesen, was dem Geist des Werks zutiefst entsprochen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p>27.04.2021<\/p>\n<\/div>\n<p>Literatur zum Werk in Schaffhausen:<br \/>\nChristel Sauer, Eine Entstehungsgeschichte: Das Kapital Raum 1970\u20131977 &amp; die Hallen f\u00fcr Neue Kunst Schaffhausen. The Creation of a Work. Basel 2012, DE-EN<br \/>\nChristel Sauer (Hg.), Denk-Kapital: Ideen zur Gestaltung der Gesellschaft. Vortr\u00e4ge von Pers\u00f6nlichkeiten aus Wirtschaft und Politik in den Hallen f\u00fcr Neue Kunst Schaffhausen. Basel 2012, DE<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/raussmueller-insights.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1464,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_exactmetrics_skip_tracking":false,"_exactmetrics_sitenote_active":false,"_exactmetrics_sitenote_note":"","_exactmetrics_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1454","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1454"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1704,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1454\/revisions\/1704"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1464"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/raussmueller-insights.org\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}